Mapping a Village

All-Day-Life:

Alltag, Begegnungen und unsichtbare Wirklichkeiten



Eine ethnografisch-visuelle Annäherung an die Entstehung neuer Dorfkulturen zwischen

Migration, Mobilität und alltäglichen Begegnungen.



São Teotónio na drome ist ein langfristiges künstlerisches und ethnografisches Forschungsprojekt, das sich mit den sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Veränderungen einer ländlichen Gemeinde im Südwesten Portugals beschäftigt. Über mehrere Jahre hinweg untersucht das Projekt, wie Migration, agroindustrielle Landwirtschaft und globale Verflechtungen das alltägliche Leben und das soziale Gefüge des Dorfes verändern.


Im Mittelpunkt steht die Frage, wie unterschiedliche Menschen denselben Ort auf sehr verschiedene Weise erleben und gestalten. Alteingesessene Bewohnerinnen, neu zugewanderte Arbeitsmigrantinnen, saisonale Arbeitskräfte, Unternehmerinnen und Besucherinnen bewegen sich in denselben Räumen, bringen jedoch unterschiedliche Erfahrungen, Bedürfnisse und Zukunftsvorstellungen mit. Das Projekt macht diese Polykontexturalitäten sichtbar – die Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Lebenswirklichkeiten innerhalb einer Dorfgemeinschaft.


Die Werkgruppe Mapping Everyday Life richtet den Blick auf die öffentlichen Räume des Dorfes: Cafés, kleine Geschäfte, Imbisse, Straßen, Treffpunkte und informelle Netzwerke. Diese Orte werden zu Kontaktzonen, in denen Menschen unterschiedlichster Herkunft aufeinandertreffen und neue Formen von Dorfkultur und Alltagsleben entstehen. Hier zeigen sich die Auswirkungen globaler Migrationsbewegungen ebenso wie neue Formen von Gemeinschaft, Zugehörigkeit und sozialer Organisation.


Die Serie Ana's Grandma, My Neighbor and... führt in die privaten Lebenswelten der Menschen. Hinter den Bildern der beliebten Ferienregion verbergen sich oft Lebensrealitäten, die wenig mit den Vorstellungen von Wohlstand und Komfort in Mitteleuropa gemein haben. Viele Häuser verfügen bis heute über keine verlässliche Versorgung mit Strom, fließendem Wasser oder Heizung. Besonders in den Wintermonaten wird der Alltag zu einer Herausforderung.


Die Fotografien erzählen jedoch nicht allein von materiellen Einschränkungen. Sie richten den Blick auf Nachbarschaft, Zusammenhalt, Improvisation und Fürsorge. Die Arbeiten fragen danach, was ein gutes Leben ausmacht und welche Formen von Reichtum jenseits materieller Sicherheit existieren. Was bedeutet Zufriedenheit? Wie entstehen Zugehörigkeit und Lebensqualität unter Bedingungen, die von außen häufig als Mangel wahrgenommen werden?


Gemeinsam zeichnen die beiden Werkgruppen ein vielschichtiges Bild einer Gemeinde im Wandel. Sie zeigen unterschiedliche Perspektiven auf Migration, Arbeit, Gemeinschaft und Alltag und machen sichtbar, wie globale Entwicklungen in konkreten Lebenswelten wirksam werden. Die vollständig auf analogem Film entstandenen Fotografien verbinden ethnografische Langzeitbeobachtung mit einer künstlerischen Auseinandersetzung über soziale Transformation, Zusammenleben und die Vielfalt menschlicher Erfahrungen.


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Mapping Everyday Life